PR: Quo Vadis Cash Management?

15. Dezember 2008

Die Anforderungen an das Cash-Management deutscher Energie-Unternehmen werden in naher Zukunft erheblich steigen. Geplante gesetzliche Vorgaben, Kundenverhalten und die immer noch andauernde Entflechtung der Unternehmen stellen Finanz- und Controlling-Verantwortliche vor große Aufgaben. Ohne professionelle Instrumente werden diese nicht zu bewältigen sein.

Wie für alle Finanzbereiche der Branche brechen auch für das Controlling der Pfalzwerke in Ludwigshafen neue Zeiten an. Dr. Petr Svoboda, Leiter Controlling der Pfalzwerke, sprach mit der Autorin über zukünftige Herausforderungen und die zu erwartenden Risiken der nächsten Jahre.

Ebenfalls sprach die Autorin mit Peter Meyer, Geschäftsführer der ArcMind Technologies GmbH. Während in den Energie-Unternehmen derzeit nach Möglichkeiten für ein effizienteres Cash-Management gesucht wird, hat Herr Meyer bereits eine Lösung in der Schublade. Die Essener Software-Schmiede implementierte Anfang dieses Jahres das erste Release des deutschlandweit einzigen Software-Produkts, das detaillierte Zahlungseingangs-Prognosen auf Basis von Energie-Abrechnungsdaten und weiterer Faktoren verspricht. Damit soll das Cash-Management von Energie-Unternehmen künftig tagesgenau gesteuert werden können. Entstanden ist die Lösung beinahe zufällig als Weiterentwicklung der Abrechnungsüberwachungs-Software DebiControl®, die zur Überwachung und Verbesserung der Fakturierungsquote dient.

„Durch die Anreizregulierung wird ein massiver Druck auf die Preise statt finden“

Um Kostensenkungen bei den Entgelten für Strom- und Gasnetze durchzusetzen, werden deutschen Netzbetreibern künftig Obergrenzen für ihre Erlöse vorgegeben werden. Gleichzeitig wird es Regelungen zur Sicherstellung von Netzinvestitionen geben, deren Nicht-Einhaltung die Regulierungsbehörde mit Zuschlägen zu ahnden gedenkt. Regulierte Entgelte stehen dann erhöhten Aufwendungen zur Erhebung der nötigen Daten für die Bundesnetzagentur – bei gleichzeitiger Standardisierung des Kapitalkostenanteils – gegenüber.
Gerade mittlere und kleine Versorger sehen hier erhebliche finanzielle Risiken auf sie zukommen.

Definitiv planen können sie aber nicht. Es gibt bisher keine konkreten Vorgaben zu den notwendigen Investitionen. In welchem Maße sollen bestehende Netze ausgebaut werden? Derzeit liegt noch völlig im Ungewissen, wie stark wirklich reguliert wird. Welche technischen Vorgaben wird es geben? Sind Vorgaben zu Sicherheiten oder Lieferquoten geplant? Die Unsicherheiten aufgrund der zu erwartenden Vorgaben durch die Bundesnetzagentur veranlassen viele Versorgungsunternehmen, Investitionen vorsichtiger zu planen, als sie es unter freien wirtschaftlichen Bedingungen tun könnten. Der technische Standard der Netze und Anlagen in Deutschland ist im Weltdurchschnitt relativ hoch. Jedoch zeigen aktuelle Beispiele mit stundenlangen Stromausfällen wie Anfang des Jahres in Karlsruhe oder vor anderthalb Jahren in Wilhelmshaven, dass dringend Wege aus der Starre gefunden werden müssen.

Erschwerend kommt hinzu, dass in manchen Unternehmen eine vollständige Entflechtung noch nicht statt gefunden hat. Diese Unternehmen werden es besonders schwer haben, da sie neben den zu erwartenden Auflagen noch die gesamten Unternehmensprozesse und Datenbanken neu aufsetzen müssen. Das Finanzmanagement befindet sich hierbei immer am Ende der Change-Prozesskette. Dabei bildet dessen Arbeit einen entscheidenden Bestandteil für den Erfolg des Unternehmens, der an Bedeutung gewinnt, je höher das Risiko ist.

Dr. Svoboda kann das Ganze recht gelassen sehen: „Wir müssen mit dem planen, was wir kennen. Wir gehen davon aus, dass ein Teil des benötigten Kapitals zukünftig nicht mehr aus dem laufenden Geschäft generiert werden kann. Durch die Anreizregulierung wird ein massiver Druck auf die Preise statt finden. Das wird dazu führen, dass z.B. bei den Investitionen im regulierten Bereich der Netze neben den technischen auch viel stärker betriebswirtschaftliche Aspekte beachtet werden müssen.  Die wirtschaftliche Herausforderung durch die Vorgaben der Bundesnetzagentur ist real. Man sieht auch an den Kundenwechselzahlen, dass im Stromvertrieb bundesweit eine Reaktion statt findet. Glücklicherweise hatten die Pfalzwerke schon vorher moderate Preise, daher erwarten wir keine starken Auswirkungen auf die Erlöse. Jedoch wird  auch für uns Liquiditäts¬planung und Cash-Management in Zukunft ein wichtiges Thema werden, das instrumentell, ggf. auch personell ausgebaut werden wird.“ Die Liquiditätsplanung soll zukünftig wesentlich enger mit den übrigen Teilplanungen verzahnt werden.

Hohe Kundenwechsel-Raten erschweren die Liquiditätsplanung erheblich

Bis Ende letzten Jahres verließen mehr als die Hälfte der rund 40 Millionen Haushaltskunden in Deutschland ihren Grundversorgungstarif und wählten ein neues Stromangebot. Ein Jahr zuvor waren es bereits 45%. Das ermittelte der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW).

Für Strom- und Gasversorger bedeuten hohe Kundenwechselraten, dass sie das  Zahlungsverhalten dieser Kunden in Zukunft nicht mehr kennen werden. Auch die Pfalzwerke rechnen mit weniger stetigen Zahlungseingängen. Um unter anderem das Risiko für die kurz- und mittelfristige Liquiditätsplanung gering zu halten, haben die findigen Ludwigshafener ein neues Produkt für Haushaltskunden entwickelt, das ab Mitte letzten Jahres deutschlandweit angeboten wird: 1-2-3 Energie. Der Clou dabei: Der Preis für den Kunden liegt unter dem Marktdurchschnitt, dafür muss dieser aber Vorauskasse leisten. Davon profitieren beide. Zunächst. Denn in Zukunft werden für die Netzgesellschaft auch die Zahlungsströme, die Netzentgelte und die Kosten mit prognostiziert werden müssen – da bietet allein das Feld der regenerativen Energieeinspeisung schon ein herausforderndes Thema.

Für alle anderen Verträge gelten jedoch nach wie vor die beschriebenen Randbedingungen. Es wird nicht damit gerechnet, dass die Zahlungsmoral plötzlich nachlässt, jedoch gewinnt das Thema Effizienz immer mehr Relevanz für die Finanz-Strategen. Wie schnell fließen die Erlöse? Wann werden sie verbucht? Und wie wird das Ganze überwacht? Schon bei einer branchenüblichen Frist von drei Monaten, die zwischen Leistungserbringung und Buchung des Zahlungseingangs vergehen, könnte in Zukunft zwischenfinanziert werden müssen.

Derzeit erfolgt die Liquiditätsplanung des Ludwigshafener Regionalversorgers beinahe ausschließlich auf Excel-Basis. Damit unterscheiden sich die Pfalzwerke nicht von anderen Unternehmen.

„Alle in der Branche arbeiten mit Excel“

Never change a winning horse sagt ein altes Sprichwort. Und so kam es wohl, dass sich in der von Ingenieuren dominierten Branche Energiewirtschaft die intensive Arbeit mit dem bekannten Tabellenkalkulations-Tool in beinahe allen Bereichen durchsetzte. Es ist überall dort im Einsatz, wo Dinge kalkuliert, geplant oder nachgehalten werden müssen. Einen ersten starken Impuls hin zu professionellen Daten-Lösungen gab das EnWG, das ab Oktober 2007 die Übertragung sämtlicher Informationen zwischen den Marktteilnehmern der deutschen Energiewirtschaft im EDIFACT Format verfügte. Eine Domäne, die bis dato zu fast 100% mit Excel abgedeckt wurde.

Dr. Svoboda und sein Team planen  derzeit auf Jahresbasis.  Mit Excel. Über Jahre hinweg wurden Erfahrungswerte entwickelt. Wirklich flexibel und aussagekräftig ist das jedoch nicht. Deshalb prüfen die Pfalzwerke aktuell den Einsatz einer professionellen Software zur Unterstützung ihres gesamten Finance-Bereichs. Idealerweise soll das operative Cash-Management und die Planung mit demselben System abgebildet werden.

Auch der Budapester Großversorger ELMÜ hatte bislang Excel für die Liquiditätsplanung im Einsatz. Zwei Jahre nach Einführung der Abrechnungs-Überwachungslösung Debi Control® konzipierten ArcMind Technologies gemeinsam mit Frau Dr. Marie-Theres Thiell, Finanzvorstand des Konzerns, ein zusätzliches Sytstem zur Simulation der Zahlungseingänge. Damit soll der Cash-Flow der ELMÜ in Zukunft präzise planbar werden.

Hieraus entwickelte ArcMind Technologies nun ein Tool, das künftig den Finance-Bereich vieler Energie-Unternehmens auf Basis der Abrechnungsdaten unterstützen könnte: DebiCashPro®. Neben der verbesserten Planbarkeit von Zahlunseingängen hält Peter Meyer vor allem Einsparungen von ca. 1% des Jahresumsatzes durch das optimierte Cash-Management für realistisch.

Cash-Management ist ein Thema, das alle Unternehmen der Energiewirtschaft betrifft

Ausgang der Diskussion war die klassische Vorstellung, einfach einen Knopf im Abrechnungs-System zu drücken und eine detaillierte Zahlungseingangs-Prognose heraus zu erhalten.

Ganz so simpel ist es leider nicht: Das Tool verspricht Simulationen auf Basis der Abrechnungsdaten (hier aus IS-U) und weiterer Kennzahlen, die für die Prognose eines realistischen Zahlungseingangs herangezogen werden können. So werden Abrechnungsqualität, Zahlungsziele, Zahlungsverhalten, Inflations¬raten, Stundungen und Ratenzahlungen und weitere Kennzahlen als zusätzliche, konfigurierbare Kennzahlen für die Generierung von Prognosen zugrunde gelegt. Diese Werte können manuell eingepflegt und bei Bedarf angepasst werden. Es ist aber auch möglich, diese Daten aus weiteren Systemen zu generieren und automatisiert einzubinden.

Zu jeder einzelnen Verbrauchsstelle sollen zukünftige Verbrauchs– und Umsatzwert prognostiziert werden.

Simulationen können automatisiert oder manuell für frei definierbare Zeiträume und Umfänge durchgeführt werden. Es wäre denkbar, wöchentliche oder tägliche Simulationen über einzelne Abrechnungsläufe oder nur kleine Portionen davon durchzuführen. Zur Prüfung und Verfeinerung der Ergebnisse besteht nach jedem Simulationslauf die Möglichkeit, die tatsächlichen Zahlungseingänge mit der Simulation abzugleichen. Dadurch lernt das System. Nach und nach soll so die Qualität der Ergebnisse immer weiter steigen.
Denkbar sind viele Spielarten: Was passiert, wenn die Abrechnungsquote erhöht wird? Was, wenn das Zahlungsverhalten verändert wird? Oder was, wenn, wie im Fall der Pfalzwerke, ein Prepaid-Produkt hinzu kommt?

Frau Dr. Thiell möchte die Software für die Liquiditätsplanung des Konzerns heranziehen.  Sie freut sich darauf, zukünftig jederzeit einen Überblick über alle Zahlungsein- und ausgänge des gesamten Konzerns zu haben. Durch die Anbindung der Beteiligungsgesellschaften können deren Daten ebenfalls jederzeit in die Prognosen einfließen.

„Für die Pfalzwerke könnte ein effektiveres Cash-Management bis zu einer halben Million ausmachen“

Dr. Svoboda sieht ähnliche  Herausforderungen auf die Pfalzwerke zukommen: „Präzision und Anforderungen steigen durch das dynamischer und komplexer werdende Marktumfeld. Das, was aktuell noch auf Jahres- und Monatsbasis geplant wird, muss künftig auf wöchentlicher und in teilweise auch auf Tagesbasis funktionieren. Ich sehe hier vor allem Zinseffekte als Vorteil. Für die Pfalzwerke könnte das bis zu einer halben Million ausmachen.“

Dazu wünscht sich ein flexibles Tool, das eine enge Verzahnung der kaufmännischen Prozesse mit der Liquiditätsplanung vorsieht. Neben den Vorteilen durch Zinseffekte und einer Beschleunigung der Abrechnungszyklen sieht er Potential in der Fakturierungsquote des Unternehmens.

Viel Erfolg!

/Jutta Scholten

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