Desktop Sharing (DTS) ermöglicht es, einem oder mehreren Teilnehmern parallel zu einem Telefonat oder einer Telefonkonferenz den Bildschirminhalt eines ausgesuchten Rechners in Echtzeit über das Internet zu zeigen. Wer die Konferenz einberuft, hat vorher durch die Anforderung einer festen Sitzungsnummer Bandbreiten auf einem Server reserviert, die für die Übertragung des Bildschirms benötigt werden. Über eine verschlüsselte Verbindung können sich nun der/die eingeladenen Teilnehmer einloggen. Dazu geben sie i.d.R. die Sitzungsnummer und ein Passwort auf einer Webseite oder in ein Eingabeaufforderungs-Fenster ein. Dann können Sie direkt auf den Bildschirm des Präsentators blicken. Durch die Integration von Funktionalitäten, die im Folgenden beschrieben werden, kann Desktop Sharing unterschiedlichste Zwecke für unterschiedlichste Anwendergruppen erfüllen.
Online-Support:
Weitestgehend bekannt ist die Möglichkeit, PC- und Anwendersupport mittels dieser Technologie zu leisten. Der Support-Mitarbeiter greift dabei von seinem Arbeitsplatz aus direkt auf den Rechner seines hilfsbedürftigen Kunden oder Mitarbeiters zu. Per Rechtevergabe erteilt dieser ihm die Fernsteuerung über Maus und Tastatur seines Rechners. Anschließend huscht die Maus wie von Geisterhand durch Dialogfenster und Anwendungen, bis das Problem behoben ist und die Steuerung zurück gegeben wird.
Online-Meeting:
Auch als Web- oder Online-Konferenzen bezeichnet man alle Arten von Präsentationen mit mehreren Teilnehmern parallel zu einer Telefonkonferenz. Das können auch sogenannte WebInare sein, virtuelle Schulungen, die über das Internet angeboten werden. Online-Meetings finden in der Regel geplant statt, d.h. den Teilnehmern werden vorher Zeitpunkt und Zugangsdaten für das virtuelle Treffen übergeben. Zum vereinbarten Zeitpunkt loggen sich dann alle Teilnehmer in das Meeting ein, das der Konferenzleiter kurz vorher gestartet hat. Bei Bedarf kann auf den Bildschirm eines anderen Teilnehmers oder Co-Präsentators gewechselt oder sogar die Fernsteuerung übertragen werden. Auch hier wird per Telefonkonferenz diskutiert und moderiert. Neben der klassischen Telefonkonferenz kann für die Kommunikation auch Web-Technologie, wie Skype, integriertes Voice-over-IP, Chat oder Webcams eingesetzt werden.
Online-Präsentation:
Gerade für Vertriebszwecke oder um Kunden Entwürfe oder Projektstände zu präsentieren, eignet sich das reine Screen-Sharing. Dabei wird meistens im 1:1-Dialog parallel zum Telefonat der Bildschirm gezeigt. Beispielsweise um PowerPoint Präsentationen oder Produktdemos zu zeigen. Hier spielt Vertrauen eine große Rolle, deshalb wird die Möglichkeit von Fernsteuerung und Bildschirmwechsel in der Regel nicht genutzt.
Online-Kollaboration:
Die wohl intensivste Form des Desktop Sharing bildet die Online-Kollaboration. Hier können alle im Text beschriebenen Funktionalitäten wechselseitig zum Einsatz kommen. Gerade, wenn komplexe Projekte mit erheblichem Abstimmbedarf in interdisziplinären und/oder internationalen Teams gestemmt werden müssen, bietet diese Form des Desktop Sharing eine hervorragende Möglichkeit der umfassenden Prozessoptimierung.
Abb.1: Ablauf einer Desktop Sharing Sitzung; Die Nutzung sollte einfach und übersichtlich sein, um die Teilnehmer nicht zu überfordern.
Praxisbeispiel
Mit etwa 7000 Ingenieuren weltweit erwirtschaftet die Pöyry Group jährlich mehr als 700 Millionen Euro. Das führende Beratungs- und Plaungsunternehmen hat sich auf die Branchen Energiewirtschaft, Forstindustrie, Umwelt und Infrastruktur spezialisiert. Kunden sind Regierungen, Ministerien, private Investoren und vor allem Energieversorger, z.B. RWE, EON, Shell und BP.
Dipl.-Ing Claus Mertes verantwortet den Bereich Meerwasser Entsalzung der Pyöry Energy AG. Seine Projekte erstrecken sich über den gesamten Globus.
Angefangen mit Investment- und strategischer Beratung leisten er und sein Team Aufgaben in allen Projektphasen: Projektaufbau, Partner- und Teambildung, Ausschreibungen, Umsetzung, Inbetriebnahme und die weitere Verfolgung.
Die Projektstandorte sind über die ganze Welt verteilt. Eine große Herausforderung bildet da die Kommunikation mit Mitarbeitern, Partnern und Kunden. Desktop Sharing ist in diesem Bereich kaum noch wegzudenken. Damit wird effektive, internationale Zusammenarbeit erst möglich: Aufgaben werden visualisiert und besprochen, Dokumente gemeinsam bearbeitet und Daten während des Meetings online ausgetauscht. Natürlich wird Desktop Sharing auch eingesetzt, um den Kunden jederzeit Projektfortschritte dokumentieren zu können. Lediglich die Zeiterschiebung kann Grenzen der Zusammenarbeit bilden.
Jedoch braucht niemand wirklich etwas zu verpassen, denn dank der technischen Möglichkeiten der Aufzeichnungsfunktion können alle Meetings jederzeit wieder abgespielt werden.

Abb.2/3: Der Bau einer Meerwasser-Entsalzungsanlage in den Vereinigten Arabischen Emiraten. Immer häufiger setzen die weltweit tätigen Experten der Pöyry Group Desktop-Sharing für Konzeption, Planung und die Betreuung der Umsetzung aus der Ferne ein.
Toolbox
Um Desktop Sharing effektiv nutzen zu können, gibt es eine Reihe Funktionalitäten, die von Anbieter zu Anbieter leicht variieren. Finden Sie hier eine Liste der gängigsten Erweiterungen, wofür sie verwendet werden und worauf Sie achten sollten.
Applikationsauswahl
Möglichkeit, vor dem Meeting festzulegen, was gezeigt werden soll. Durch An-/Abwahl wird festgelegt, welche Bildschirm-Inhalte an die Teilnehmer übertragen werden.
Backmonitor
Zusätzliche Kontrollmöglichkeit darüber, was die Teilnehmer tatsächlich sehen. Dabei wird in einem kleinen Kontroll-Fenster ein Preview der aktuellen Übertragung angezeigt.
Benutzerwechsel
Während eines Online-Meetings kann auf den Bildschirm eines anderen Teilnehmers gewechselt werden. Achten Sie darauf, dass Ihre Software hierfür immer eine Bestätigung anfordert!
Fernsteuerung
Nicht nur für Support wichtig. Auch bei der Online-Kollaboration kann es sinnvoll sein, anderen Teilnehmern die Fernsteuerung über die eigene Maus und Tastatur zu übergeben. Wichtig ist, dass die Fernsteuerung jederzeit sofort durch Drücken einer Funktionstaste beendet werden kann.
Whiteboard
Untermalen Sie Ihre Aussagen mit der Whiteboard-Funktion. Das Whiteboard erlaubt das Unterstreichen oder Markieren wichtiger Screen-Inhalte mit unterschiedlichen Farben und Stilen.
Multimedia
Integration von Voice-over-IP, Chat und Web-Cams. Das funktioniert prima bei konstanten Bandbreiten ab ca. 6000 kb, ansonsten leidet die Übertragung. Da die gesamte Handhabung dadurch relativ komplex wird, wird die Nutzung nur geübten Teilnehmern empfohlen.
Aufzeichnung
Möglichkeit, das gesamte Meeting aufzuzeichnen und jederzeit wieder abzuspielen. Die erzeugten Dateien können auch weiter verarbeitet werden, beispielsweise zu Schulungszwecken oder um Tutorials zu erstellen. Wer DTS im Vertrieb einsetzt, erfüllt mit der Aufzeichnung die Beweislast.
Sitzungsplaner
Eignet sich für wiederkehrende oder größere Meetings mit mehreren Teilnehmern: Verschicken Sie die Meeting-Daten vorher an alle Teilnehmer. Das vereinfacht die Organisation und die Termin-Planung für alle Beteiligten.
Dateiübertragung
Übertragen Sie Dokumente und Dateien bequem während des Meetings. Jeder Teilnehmer kann Dateien hochladen und andere auf seinen Rechner herunter laden. So brauchen anschließend keine Mails nachgesendet werden. Weiterer Vorteil: Die Dateigrößen sind in der Regel nicht beschränkt.
Integrierter Sitzungslogin
Direkter Login über die eigene Webseite. Der Vorteil: Der Teilnehmer (häufig ein Kunde) muss nicht auf die Webseite des DTS-Anbieters, um an einer Sitzung teilzunehmen.
HTML Login
Teilnahme an einer Sitzung ohne, dass die Teilnehmer Software installieren müssen. Diese sehen den präsentierten Bildschirm direkt in ihrem Browser. Bei immer schärfer werdenden Sicherheitseinstellungen in Firewalls manchmal die einzige Möglichkeit, an einer Sitzung teilzunehmen.
Worauf man sonst noch achten sollte
Gerade, wer DTS mit Kunden und Interessenten verwendet, die nicht versiert im Umgang mit Web- Tools sind, empfiehlt es sich, ein sehr einfaches und intuitiv zu bedienendes Produkt auszuwählen. Wenn ein Kunde mit der Bedienung überfordert ist, kann die gut gemeinte Aktion schnell den gewünschten Effekt verfehlen.
Vermeiden Sie Bildschirm-Wechsel mit Interessenten und Kunden, es sei denn, der Kunde wünscht es ausdrücklich. Achten Sie für diesen Zweck im Vorfeld darauf, dass Ihre Software für jede Aktion einzelne Bestätigungen von jedem Teilnehmer verlangt und Änderungen quittiert .
Ein wichtiges Kriterium bei der Auswahl eines DTS Systems bildet auch die Übertragungs-Geschwindigkeit. Hier sollte der interessierte Käufer das infrage kommende Produkt vor dem Kauf nicht nur in der eigenen Umgebung, sondern auch mit Personen an anderen Standorten testen und mit Produkten anderer Anbieter vergleichen.
Technische Voraussetzungen und Firewall-Optionen
Windows ist der Betriebssystem-Standard in den Büroetagen dieser Welt. Nur wenige DTS-Anbieter sind Betriebssystem-unabhängig. Vor allem auf Teilnehmer-Seite sollte berücksichtigt werden, dass es auch Menschen gibt, die beispielsweise mit Mac OS X oder Linux arbeiten. Man denke hierbei an die gesamte Kreativ-Branche, mit der die Marketing-Abteilung vielleicht Konzepte und Entwürfe online besprechen möchte.
Zusätzlich zum Betriebssystem kann der Login die Nutzung einer Desktop Sharing Lösung einschränken. Die meisten Anbieter verlangen standardmäßig die Aktivierung von Java, Flash oder ActiveX zur Ausführung des Anmelde-Fensters. Bei strengen Firewall-Einstellungen ist hier häufig Schluss, bevor es überhaupt angefangen hat. Wirklich immer funktioniert es mit dem reinen HTML-Login, der alternativ zum Standard-Login zur Verfügung stehen sollte.
Wie sieht es auf Seiten des Präsentators aus? Hier sind die Unterschiede zwischen den Anbietern erheblich. Heutzutage ist es völlig unnötig, Software zu installieren, um Desktop Sharing-Sitzungen starten zu können. Gerade Anbieter, die schon länger im Markt sind, halten häufig an alten Technologien fest. Damit tun sie sich und ihren Anwendern keinen Gefallen.
Preise und Lizenzmodelle
Sie haben es sicher schon befürchtet: Ein Vergleich ist schwierig. Durchgesetzt haben sich vor allem zwei Modelle: Miete und Kauf.
Wer seinen Bildschirm regelmäßig teilt, für den könnte sich der Kauf einer Lösung lohnen. Die Preise liegen etwa zwischen 1000 und 3500 Euro, meistens für eine 1:1 Verbindung von einem Arbeitsplatz aus. Zusätzlich werden Service- oder Wartungspauschalen berechnet, die ca. 10-25% vom Kaufpreis pro Jahr betragen. Die Bindung an den Anbieter setzt ein hohes Vertrauen voraus.
Die meisten Anbieter bieten Mietmodelle an. Die kleinsten Pakete gibt’s ab ca. 20 Euro pro Monat, meistens für die 1:1 Verbindung. Auch hier ist darauf zu achten, dass keine versteckten Kosten hinzu kommen. Häufig werden Bereitstellung, Kundensupport, Wartung oder Updates zusätzlich berechnet. Manche Anbieter bitten pro Feature zur Kasse. Generell wird es teurer, je mehr Präsentatoren und Teilnehmer mit der Lösung arbeiten sollen.
Support und Schulung
Ein leidiges Thema. Aufgefallen ist, dass gerade einige kleine deutsche Anbieter einen hervorragenden Kundendienst anbieten. Freundlicher, kompetenter und persönlicher Service von 8 bis 18 Uhr – so sollte es sein. Denn niemand möchte stundenlang von Automatenstimmen durchs Nirvana geschickt werden, um dann zu merken, dass eine andere Hotline für die Anfrage zuständig ist.
Ein kleiner Tipp zum Schluss: Lassen Sie sich vor dem Kauf die für Sie infrage kommenden Lösungen von einem Mitarbeiter des Anbieters präsentieren. So erhalten Sie einen Eindruck von der Lösung UND von der Support-Qualität. Eine kostenlose Testphase bekommen Sie bei fast jedem Anbieter. Nutzen Sie auch diese Möglichkeit.